Kleist on the Road

Die Sehnsucht nach Glück und die Angst, es nicht zu finden, trieb Heinrich von Kleist sein ganzes rastloses Leben um. Frankfurt Oder, Berlin, Würzburg, Dresden, Paris - die Liste seiner Lebensetappen ist lang. Kleists Reisen waren stets Reisen ins eigene Ich. Entscheidende Wendepunkte in seiner Biografie waren meist mit Ortswechseln verbunden: Auf einer Reise über Dresden nach Paris verlor er seinen Glauben an das Glücksversprechen der Aufklärung. Seine Berufung zum Dichter fand er bei einem Aufenthalt in der Schweiz. Heinrich von Kleists Lebensreise endete am 21. November 1811 mit dem Freitod, der den Dichter zum Mythos machte.

Die Dokumentation "Kleist on the Road" folgt den Spuren des Dichters. Wo Kleist in Dresden seine "Penthesilea" vollendete, steht heute ein Supermarkt, an der Stelle des Häuschens in Thun, in dem Kleist sein erstes Stück schrieb, findet man eine von Steinplatten umrahmte Wiese. Wie wurde Kleist zum Schriftsteller, der in seiner Modernität so heutig erscheint, zum Dichter des tiefgründig-humorvollen "Zerbrochenen Krugs" oder der gewalttätig-erotischen "Penthesilea", zum Verfasser kriegstreiberischer Gedichte und zum Herausgeber von Berlins erster Abendzeitung? Spielszenen und animierte Handzeichnungen zeigen Kleist als einen Menschen, der den Menschen heute möglicherweise näher ist, als er es seinen Zeitgenossen war. (Text: ARD)